Mit genau dieser Situation waren wir bei einem aktuellen Projekt in einem Mehrfamilienhaus im Raum Osnabrück konfrontiert. In einer Wohnung im 1. Obergeschoss waren bereits seit längerer Zeit erhöhte Feuchtewerte vorhanden. Obwohl der betroffene Bereich rund acht Wochen technisch getrocknet worden war, zeigte sich keine ausreichend erkennbare Verbesserung.
Bevor weiter getrocknet oder die Oberfläche wiederhergestellt wird, muss zunächst geklärt werden, ob weiterhin Feuchtigkeit in das Gebäude eintritt.
Vom Schadensbild zur technischen Fragestellung
Bei der Untersuchung wurden im betroffenen Innenbereich weiterhin deutlich erhöhte orientierende Feuchtevergleichswerte festgestellt. Zusätzlich waren lokal Salz- beziehungsweise Ausblühungserscheinungen vorhanden – ein Hinweis darauf, dass die Durchfeuchtung nicht nur kurzfristiger Natur sein könnte.
Besonders auffällig war die räumliche Situation: Auf der Außenseite des betroffenen Wandbereichs befinden sich Bauteile der Dachentwässerung.
Könnte die Hauptentwässerung beziehungsweise deren Leitungsführung für den fortdauernden Feuchteeintrag verantwortlich sein?
Anstatt auf Verdacht einzelne Bauteile zu öffnen oder lediglich die Trocknung fortzusetzen, wurde die Fragestellung durch einen gezielten Prüfaufbau weiter eingegrenzt.
Kontrollierter Anstauversuch statt Suche nach dem Zufallsprinzip
Gemeinsam mit den Projektbeteiligten wurde die Haupt- und Notentwässerung temporär mit Prüfblasen abgesperrt.
Anschließend erfolgte ein kontrollierter Anstau- beziehungsweise Bewässerungsversuch. Zur besseren Nachverfolgung möglicher Wasserwege wurde eingefärbtes beziehungsweise fluoreszierendes Prüfwasser verwendet.
Parallel wurden Wasserstand, Abflussverhalten und die angrenzenden Innenbereiche beobachtet und dokumentiert.
Im Bereich der Hauptentwässerung war während des Versuchs ein fortlaufender Wasserstandsverlust festzustellen.
Ein Wasserstandsverlust allein ist noch kein abschließender Beweis für einen bestimmten Schadensort – auch der Prüfaufbau selbst muss als mögliche Einflussgröße berücksichtigt werden.
In Verbindung mit
den weiterhin deutlich erhöhten Feuchtemesswerten,
der unmittelbaren räumlichen Zuordnung des Innenschadens zur Dachentwässerung und
dem beim Anstauversuch beobachteten Wasserstandsverlust
ergab sich jedoch ein technisch plausibler und konkreter Verdacht auf eine Undichtigkeit im Bereich der Hauptentwässerung beziehungsweise der dazugehörigen Leitungsführung.
Damit konnte die weitere Untersuchung und Sanierung zielgerichtet auf den Bereich mit der höchsten technischen Priorität konzentriert werden.
Nicht nur Schaden feststellen – einen belastbaren Sanierungsweg entwickeln
Eine sachverständige Untersuchung sollte aus unserer Sicht nicht bei der Feststellung eines möglichen Mangels enden.
Deshalb wurde für das Projekt ein konkreter Ablauf für Sanierung und Qualitätssicherung entwickelt.
Die schadensverdächtige Entwässerung einschließlich der technisch zugehörigen Anschluss- und Verrohrungsbereiche soll fachgerecht instand gesetzt werden. Wichtig ist dabei, insbesondere verdeckte Anschlüsse und Rohrverbindungen vor dem Wiederverschließen fotografisch zu dokumentieren.
Nach der Sanierung folgt ein weiterer entscheidender Schritt:
Die Reparatur muss ihre Funktion beweisen.
Hierfür ist erneut ein kontrollierter Dichtheits- beziehungsweise Anstauversuch vorgesehen. Wasserstand, Prüfzeitraum und Innenbereiche sollen parallel kontrolliert und nachvollziehbar dokumentiert werden.
Erst wenn dieser Kontrollversuch unauffällig verläuft, ist der nächste Schritt sinnvoll.
Trocknung erst nach nachgewiesener Ursachenbeseitigung
Gerade bei Feuchtigkeitsschäden besteht die Gefahr, Trocknungsmaßnahmen über Wochen fortzuführen, obwohl weiterhin Feuchtigkeit nachströmt.
Das verursacht Kosten – ohne die eigentliche Ursache zu beseitigen.
Deshalb folgt unser Vorgehen einem klaren Prinzip:
1. Ursache eingrenzen
2. Schadensquelle beseitigen
3. Reparatur kontrollieren
4. Trocknung messtechnisch begleiten
5. Bauteile erst anschließend wiederherstellen
Während der anschließenden Trocknung werden definierte Messpunkte verwendet, um die Entwicklung reproduzierbar verfolgen zu können. Erst eine nachvollziehbar fallende beziehungsweise dauerhaft unauffällige Entwicklung der Messwerte bietet eine belastbare Grundlage für die weitere Instandsetzung.
Auch für die abschließende Freigabe empfiehlt sich ein klar definierter Qualitätsstandard.
Hierzu gehören beispielsweise:
vollständig instand gesetzte und dokumentierte Entwässerungsanschlüsse,
ein unauffälliger abschließender Dichtheitsversuch,
keine erneute Auffeuchtung,
nachvollziehbar zurückgehende beziehungsweise stabile Feuchtemesswerte,
keine neuen Verfärbungen, Ausblühungen oder sonstigen Auffälligkeiten,
ein ausreichend trockener und tragfähiger Untergrund sowie
eine dokumentierte Abschlusskontrolle.
Erst anschließend sollten Putz-, Spachtel- und Beschichtungsarbeiten endgültig wiederhergestellt werden.
Das Beispiel zeigt sehr gut, warum eine strukturierte Schadensdiagnostik gerade bei Feuchtigkeitsschäden entscheidend sein kann.
Nicht jede feuchte Wand erfordert sofort großflächigen Rückbau. Gleichzeitig reicht es nicht aus, einen Trockner aufzustellen und darauf zu hoffen, dass der Schaden verschwindet.
Gefragt ist die Kombination aus Bauerfahrung, Messtechnik, systematischer Ursachenanalyse und einem nachvollziehbaren Sanierungs- und Kontrollkonzept.
Schäden erkennen. Ursachen eingrenzen. Lösungen entwickeln. Umsetzung kontrollieren.
Das Ingenieur- und Sachverständigenbüro Gerdom unterstützt private, gewerbliche und institutionelle Auftraggeber unter anderem bei Feuchtigkeits- und Bauschäden, Ursachenanalysen, Beweissicherungen, Sanierungskonzepten und baubegleitenden Qualitätskontrollen.
Sie haben einen Feuchtigkeitsschaden, dessen Ursache unklar ist?
Gerne unterstützen wir Sie bei der strukturierten technischen Untersuchung und Entwicklung eines geeigneten weiteren Vorgehens.
Sie haben Interesse an unseren Leistungen oder Fragen? Setzen Sie sich mit uns in Verbindung. Wir sind gerne für Sie da.